Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Durmersheim
Asylopoly - eine Schulung, die man nicht so schnell vergisst
Am 15.03.2016 erlebten Mitarbeiter des AK Flüchtlingshilfe
eine Informationsveranstaltung: Asylopoly, ein "Spiel" über die verschiedenen
Stationen eines Flüchtlings, der in Deutschland ankommt.
Die Autorin des Spiels, Frau Zaeri-Estafahni, hat das Spiel danach angelegt, wie ein Flüchtling,
des Deutschen nicht mächtig, seine verschiedenen "Anlaufpunkte" erlebt.
Dank unseres AK-Mitglieds Andrea Bauch, kam das Spiel zu
uns nach Durmersheim, zwei Mitarbeiterinnen des LRA Rastatt und zwei
Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks waren die "masters of the game", wir
Flüchtlingshelfer die Mitspieler.
1.
Station des
Spiels war: die deutsche Grenze (ein Tisch in der Eingangstür des
"Spielsaals")
Diejenigen, denen auf kleinen weißen Zettelchen ihre
Einreiseberechtigung mitgeteilt wurde,
durften passieren, die anderen hatten draußen zu bleiben, allerdings wurde
diese Information nicht auf Deutsch sondern in einer für die "Abgewiesenen" völlig unverständlichen
Sprache (war es rumänisch ?) und mit unwirschen Handbewegungen unterstützt,
gegeben.
2.
Station des
Spiels war: der schlimme Husten eines Flüchtlings
Vom Arzt abgewiesen ging er zum Landratsamt, wo ihm auf
Deutsch mitgeteilt wurde, dass er einen
Krankenschein brauche, was der Flüchtling, der deutschen Sprache nicht mächtig,
natürlich nicht verstand, von dort ging er zum Glück! zur
Flüchtlingsbetreuung, die ihm mithilfe eines Dolmetschers den Krankenschein,
bei dem Landratsamt, verschaffte, von dort wieder zum Arzt, der dem Flüchtling
überdeutlich sein Misstrauen, seine Unlust zu verstehen gab. Dann das Rezept:
Mucosolvan, Paracetamol. Und dies ohne
Untersuchung, ohne Empathie.
3.
Station des
Spiels: die Anhörung, ob ein Asyl- oder
Duldungsanspruch besteht, durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
Der Flüchtling war eine kurdische Frau, türkischer
Nationalität, die weder lesen noch schreiben konnte, und auch der deutschen
Sprache nicht mächtig war.
Die für die Bearbeitung des Asylantrags zuständige Beamtin
belehrte die Kurdin zunächst über ihre
Rechte und forderte sie auf, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie die
Belehrung verstanden habe. Die Kurdin machte deutlich, dass sie nichts
verstanden habe, darüberhinaus auch nicht unterschreiben könne, egal, sie
"durfte" mit einem Fingerabdruck gegenzeichnen.
Dann zum Fluchtweg: Sie sei mit einem Laster gefahren, wie
die Fahrer heißen, wisse sie auch nicht, in welches Land der EU sie zuerst
eingereist sei, wisse sie auch nicht, es sei immer dunkel gewesen, die
Straßenschilder habe sie auch nicht lesen können. An einer Autobahnraststätte
sei sie abgesetzt worden. Auch hartnäckiges, misstrauisches Nachfragen der
Beamtin ergab keine näheren Erkenntnisse.
Zum Fluchtgrund: Die Kurdin gab mehr als deutlich zu
verstehen, dass sie von Männern in Uniform vergewaltigt worden sei, ohne das
Wort: Vergewaltigung in den Mund zu nehmen. Ihr sei gesagt worden, dass ihr
Haus zerstört werde, wenn sie nicht sage, wo sich ihr Mann versteckt halte,
auch bei dieser Vernehmung: deutliches Misstrauen, Unhöflichkeit, Arroganz.
Zum Schluss die Unterzeichnung des Vernehmungsprotokolles,
auch hier: wie soll ich unterschreiben, wenn ich nicht lesen und schreiben
kann.
Dann die Fast-Nötigung: Fingerabdruck.
Zwischen den Stationen wurden wir über die rechtlichen
Grundlagen des Asylrechts aufgeklärt, auch zur Fragestellung blieb reichlich
Raum.
Denjenigen AK-Mitgliedern, die in den Stationen 2 und 3 den
Flüchtling darstellten, ein großes Lob und Anerkennung für ihr überzeugendes
"Spiel", sie wissen schon, wer gemeint ist.
Eine Veranstaltung, die sicherlich allen Teilnehmern noch
lange im Gedächtnis bleibt.
Haben Sie Interesse an unserer Arbeit? Wollen Sie uns
helfen?
Hier unsere Ansprechpartner:
Dr. Karla Kränzlein (InfoAKFluechtlingsbegleitung-Durmersheim@web.de)
Der Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde:
Manuel Lorch
(M.Lorch@durmersheim.de)
Café
International
Herzliche Einladung: Die nächsten Termine des "Café
International", ein Treffpunkt von Menschen unterschiedlichster Herkunft, die
sich hier in der evangelischen Kirche bei Kaffee und Kuchen treffen, begegnen
und austauschen können, sind der 5. und der 19. April, jeweils 16:30 bis 18:30
Uhr.