Badische Revolution 1848/1849 - Der Geist der Freiheit lebt auch in Durmersheim!
Seit der Französischen Revolution 1789 flammten auch in Deutschland immer wieder freiheitliche Bestrebungen auf, wie man sie seit den Bauernkriegen im 16. Jahrhundert nicht mehr erlebt hatte.
Der 60.000 Mann starken militärischen Übermacht der Preußen
waren die schlecht bewaffneten Badischen Freischärler aber unterlegen und mussten
sich nach vielen Niederlagen nach Rastatt zurückziehen.
Am 29. Juni 1849 kamen die Preußen querfeldein von Karlsruhe
nach Durmersheim, zerstörten dabei die Ernte auf den Felder und schlugen am
Federbach ihr Lager auf. Vier Wochen lang blieben die Preußen in Durmersheim einquartiert. Sie forderten
enorme Mengen an Heu, Stroh, Hafer und Gerste für die Pferde und Unmengen an Nahrungsmitteln
für die Mannschaften. Nach der Beschlagnahmung von 25 Kühen und Rindern hatten die
Durmersheimer Metzger Christoph Flasack, Franz Anton Höfele, Wilhelm Schlick und Nikolaus Becker zusätzlich
2041 Pfund Fleisch abzuliefern. Die Bäckereien von Ignaz Speck, August Vögele, Matthäus
Klein und Castor Maier mussten 1435 Laib Brot bereitstellen. Die Wirte Anton
Becker (Lamm), David Enderle (Kreuz), Heinrich Ganz (Hirsch), Josef Schlick (Adler),
Nikolaus Becker (Wolf) und Franz Anton Höfele (Engel) hatten 1567 Maß (ca. 2400
Liter) Wein zu liefern. Die örtlichen Handwerker mussten unentgeltlich Stallungen
und Unterkünfte bauen.
Nach der Kapitulation der Rebellen am 23. Juli 1849 erfolgte
die große Abrechnung. Eine große Anzahl der "Rädelsführer" wurde
standrechtlich erschossen, viele gerieten ins Gefängnis, andere konnten fliehen
und sind wie Friedrich Hecker und Carl Schurz nach Amerika ausgewandert, wo
dieser sogar amerikanischer Innenminister und General im amerikanischen
Bürgerkrieg wurde. Aus Durmersheim wurde gegen 56 Teilnehmer des Aufstandes
gerichtlich ermittelt und Urteile erlassen. Einige saßen im Gefängnis.


Schon 1849 wurden Bürgermeister Ludwig Abath und die drei Gemeinderäte
Rummel, Heck und Haitz sowie Ratschreiber Karl Flasack wegen ihrer
demokratischen Gesinnung abgesetzt. Für sie ernannte die "Großherzogliche
Landescommission" bis auf weiteres Lukas Bader zum kommissarischen Bürgermeister
und setzte auch drei regierungs-konforme Gemeinderäte ein. Gemeinderechner
wurde Wilhelm Haitz. Und da die Kosten für den Einsatz der preußischen Truppen
zur Niederschlagung der demokratischen Revolution vom badischen Volk bezahlt
werden mussten, hatte Durmersheim 6.022
Gulden zu berappen. Das waren fast die gesamten jährlichen Einnahmen der
Gemeinde!
In den ersten Jahren nach 1849 hing der Dorffrieden schief.
Durch Durmersheim, das damals ca. 1900 Einwohner hatte, zog sich ein tiefer
Riss zwischen der Anhängerschaft des ehemaligen Bürgermeisters Abath und den
"Linientreuen" mit konservativer Gesinnung. Im großherzoglichen Ortsbereisungsbericht
von 1852 ist zu lesen: "Bei Gelegenheit der Gemeindewahlen im letzten
Frühjahr fanden mehrfache Zerwürfnisse in der Gemeinde, und dem Vernehmen nach
sogar in den Familien, statt, jedoch arteten viele Streitigkeiten weder in
Exzessen noch in Denunziation wie in der Nachbargemeinde Bietigheim aus."
Dies besserte sich zunehmend, als 1852 Gemeinderechner Wilhelm
Haitz zum Bürgermeister gewählt wurde. Er war ein Mann des Ausgleichs, der es
verstand die Wogen zu glätten und von der Obrigkeit "... sowohl nach
Intelligenz und Fleiß als nach seinem besonnenen gemäßigten Benehmen ein gutes
Zeugnis ..." erhielt.
In der Ortsbereisung 1854 wird beschrieben, dass man
"nichts mehr von Parteiungen" feststellen konnte, "im Gegenteil
kann die hiesige Bevölkerung dermalen als eine ruhige, friedliche und
zufriedene bezeichnet werden."
Was kann es Schöneres geben als eine harmonische
Dorfgemeinschaft, die aus Krisen gestärkt hervorgeht!
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