BUND Südhardt
Insektensterben und Vogelschwund, Teil 2
In Europa gibt es keine Wüsten, schon gar nicht in Mitteleuropa. Wer wüstenähnliche Landschaften sucht muss zumindest bis nach Südfrankreich fahren. Dort östlich von Arles und der Camargue liegt die Crau. Diese ist eine sogenannte Schottersteppe und vermittelt mit ihren weiten, nur lückig bewachsenen Steinfluren ein den echten Wüsten ähnliches Bild.
Heutzutage muss man allerdings nicht mehr so weit fahren um Steinwüsten zu finden. Es reicht beim sonntäglichen Spaziergang durch unsere Dörfer zu gehen. Ob in Vorgärten, an Straßen oder auf Plätzen, an privaten wie öffentlichen Gebäuden überall haben sich Schottersteppen breitgemacht.
Nun könnte man mutmaßen, dass es sich hierbei um Vorboten des nahenden Klimawandels handelt. Schaut man allerdings genauer hin, findet man noch hier und dort die Schilder von einschlägig bekannten Landschaftsbaufirmen. Das heißt die Eigner solcher Flächen haben viel Geld ausgegeben, um sich ihre Vorgarten in eine Wüste verwandeln zu lassen. Sie haben sich tonnenweise Sande, Schotter, Fels- und Steinblöcke freiwillig in ihren Vorgarten schütten lassen. Warum?
Darüber wollen wir an dieser Stelle nicht spekulieren. Nur eines ist klar: In diesen Wüsten blüht nichts oder nur sehr wenig. Und das hat Folgen (siehe den Artikel im letzten Gemeindeanzeiger). Lassen sich als Verursacher für das Insektensterben und den Vogelschwund in der freien Landschaft der Einsatz von Umweltgiften in der Landwirtschaft und der Rückgang von extensiv bewirtschaftetem und artenreichem Grünland annehmen, so bliebe als Rückzugsraum für Wildbienen und Schmetterlinge der Siedlungsraum. Aber hier droht die Wüste!
Natürlich gibt es noch vielerlei andere Gründe für den Rückgang der Insektenarten. Aber dieser angewandte tödliche Zangengriff auf die Artenvielfalt zwischen Landwirtschaft und Siedlungswüste ließe sich am ehesten abmildern. Braucht es bei der Landwirtschaft den Willen aller Beteiligter, der am leichtesten durch attraktive Förderangebote erreicht wird, so wird es bei den neuen Wüsten schon schwieriger. Denn der Rückbau von Schotterfluren wird ähnlich teuer sein wie die Anlage. Aber Schotter ist teuer und ein gesuchtes Material zum Beispiel im Wegebau in Feld und Wald. Vielleicht freut sich manch Förster oder Landwirt wenn er zur Befestigung seiner Wege ein günstiges Angebot für Schotter bei Selbstabholung erhält. Danach der Auftrag von Mutterboden und schon stände der Anlage eines blühenden und bunten Vorgartens nichts mehr im Wege.